Äußern Jungen starke Hodenschmerzen rechtzetitig, stehen die Chancen gut, dass die Funktionstüchtigkeit der Hoden erhalten bleibt.

Hodendrehung bei Jungen
Ärzte ermutigen zur Untersuchung

Leiden Teenager unter starken Hodenschmerzen, hält sie oft ihre Scham davon ab, einen Arzt aufzusuchen. Liegt jedoch eine Hodendrehung vor, zählt meist jede Minute, um die Funktionsfähigkeit der Hoden zu erhalten.

Bei einer Hodendrehung (Hodentorsion) dreht sich der Hoden mit dem Nebenhoden um den Samenstrang. Dadurch wird die Blutzirkulation unterbrochen, was zu plötzlichen, starken Schmerzen sowie zur Schwellung oder Rötung eines – oder seltener beider – Hoden führen kann. Die zentrale Aufgabe der Hoden ist es, männliche Geschlechtshormone wie Testosteron und, beim Einsetzen der Pubertät, Samenzellen (Spermien) zu produzieren. Ist die Blutzufuhr komplett unterbrochen, sterben die spermienbildenden Zellen nach sechs bis acht Stunden ab, nach zwölf Stunden gehen auch die hormonproduzierenden Zellen zugrunde. Es drohen verminderte Fruchtbarkeit und ein äußerlich beeinträchtigtes Genital, im schlimmsten Fall der Verlust des Hodens.

Eltern sollten starke Schmerzen ihrer Kinder ernst nehmen

Eltern sollten starke Hodenschmerzen ihrer Kinder deshalb ernst nehmen und schnellstmöglich einen Kinderchirurgen oder -urologen aufsuchen, betonen Fachärzte der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie e.V (DGKCH). Ursache für eine Hodentorsion sind oft im Hodensack besonders locker befestigte Hoden, die dadurch sehr beweglich sind. Aber auch bei Jungen, deren Hoden nicht beide bis zur Geburt in den Hodensack abgestiegen sind, liegt ein bis zu zehnfach erhöhtes Risiko für eine Hodentorsion vor. Entwicklungsgeschichtlich bedingt, befinden sich die beiden Hoden während der Schwangerschaft zunächst noch in der Bauchhöhle des Säuglings und wandern erst um die Geburt herum in den Hodensack.

Nur Mut, Schmerzen zu äußern!

Grundsätzlich können Hodentorsionen in jedem Lebensalter auftreten. Dennoch gibt es zwei Altersgipfel, bei denen sie besonders oft vorkommen: Neben dem kleineren Gipfel im ersten Lebensjahr besteht vor allem bei Teenagern zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr ein erhöhtes Risiko für eine Hodendrehung. Oft hindert Scham die Jungen daran, ihre Schmerzen zu äußern. „Dies kann dazu führen, dass die Drehung oft schon Stunden zurück liegt, bis wir die Patienten sehen, und die Prognose für den Hoden trotz zügig eingeleiteter Operation entsprechend schlecht ist,“ warnt Prof. Dr. med. Christian Lorenz, Kinderchirurg in Bremen.

Ausführliche Untersuchung mit Ultraschall

Der Chirurg oder Urologe wird zunächst das gesamte Genital und dessen Umgebung untersuchen, am besten einschließlich einer Ultraschalluntersuchung, empfehlen die Fachärzte der DGKCH. Zusätzlich müssten Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden – etwa eine Torsion von Anhangsgebilden an Hoden oder Nebenhoden, Hodenentzündungen oder Hodentumore.

Im Zweifelsfall wird operiert

Die Bezeichnung „Akutes Skrotum“ gilt solange als Überbegriff und Leitdiagnose, bis die genaue Ursache der Beschwerden gesichert ist. „Besteht trotz zeitgerechter Ausschöpfung aller Untersuchungstechniken der geringste Zweifel an einer ausreichenden Durchblutung des betroffenen Hodens, ist eine notfallmäßige operative Eröffnung des betroffenen Hodenfaches mit Inspektion des Hodens und adäquater Therapie die zwingend gebotene Maßnahme“, erklärt Prof. Dr. med. Bernd Tillig, Präsident der DGKCH aus Berlin.

Entscheiden sich Ärzte zu einer Operation, wird der betroffene Hoden in seine ursprüngliche Lage zurückgedreht. So wird er wieder durchblutet und bleibt erhalten. Zusätzlich wird der Hoden mit ein bis zwei Nähten gesondert im Hodenfach befestigt, um einer erneuten Drehung vorzubeugen.

Entfernung des Hodens nur im schlimmsten Fall

„Nur wenn der Hoden unwiederbringlich geschädigt ist, muss er entfernt werden“, betont Prof. Tillig. Eine prothetische Versorgung des leeren Hodenfaches ist heute Teil der Nachsorge für alle Patienten mit Hodenverlust , deren Körperwachstum abgeschlossen ist. Dabei setzen die Chirurgen ein Implantat aus Kunststoff ein, das aussieht und sich anfühlt wie ein Hoden.


26.05.2017 | Autor(en): Julia Schmidt/DGKCH; Bild: © Pressmaster/Shutterstock